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Bewegte Bilder

#filmliebe #serienjunkie 

 

Filmmarathons gehörten in meinen Zwanzigern zum Alltag. 

 

Ich versuche mich zu erinnern, wann meine Leidenschaft zu bewegten Bildern begann. Ich muss weit zurück und schmunzle, wenn ich dabei an meine Kindheit denke. Lange durften wir bloss „sGuetnacht-Gschichtli“ im TV ansehen, sobald sich die Tagesschau ankündigte, hiess es für meinen Bruder und mich Bettzeit - so die Erinnerung. Die zweite Erinnerung muss sich 2000 abgespielt haben. 

Wir waren als Familie in Deutschland unterwegs. Konstanz wäre meine Vermutung. Wir entschieden uns ins Kino zu gehen und ich wurde bei der Filmwahl überstimmt. Da kam es zu meinem ersten Filmmarathon, denn - und keine Ahnung mehr, was das für ein Film war - er war Mist. Kurzerhand überraschten mich meine Eltern mit einem weiteren; meiner Wahl. Center Stage. Ein toller Tanzfilm, den ich mir auch heute noch gerne anschaue und der meine Tanzfreude antrieb. Ich tanzte seit Jahren Ballett, hatte gerade mit HipHop begonnen und dieser Film liess mich von der Julliard träumen. Der Karriere einer Tänzerin. 

Ab 12 sind da Bruchstücke von Erinnerungen. Wie ich meine Mama oft anlog, wie lange ich bereits vor der Glotze sass. Stundenlang. Verboten. Oder all die Pilcher und Traumschiff-Folgen. „Fascht e Familie“ mit der Familie am Freitagabend. Und prägend für mich als Serienjunkie war „Gilmore Girls“. 

 

Heute nervt mich Lorelai und Rory’s Verhalten so sehr, so dass ich nach „A Year in the Life“, die Neuauflage zehn Jahre später, nie wieder eine Folge anschaute. Auch von „Sex and the City“ hatte ich irgendwann genug. Ich verstehe auch weshalb; die vier New Yorkerinnen so, als wären sie starke, unabhängige Frauen. Sind sie in Wahrheit doch extrem abhängig, von ihrer Selbstwirksamkeit und Männern. Eine vorgelogene Emanzipation, die die Hauptrollen verzweifelt wirken und die Plots stets wiederholen lässt - ohne, dass sie etwas dabei lernen, oder ihres Selbst bewusst werden - meiner Meinung nach. Item.

 

Ich bin noch immer ein Serienjunkie. Habe zum Beispiel in Paris durch „How I met your mother“ Englisch fliessend zu sprechen gelernt und so begann auch die Zeit, in der ich Filme und Serien bloss noch in Originalsprache anschaute. 

 

Vieles, wie ich mir heute Filme anschaue, hat sich in meinen Zwanzigern verändert. Als mich meine damalige Jungs-Clique zum ersten Mal in einen Marvelfilm mitnahm. The Avengers. Wenige Wochen später hatte ich mir eine Jahreskarte fürs Kino gekauft und ab da, wurde Kino zum Alltag. Minimum drei Filme im Monat, damit sich die Kosten fürs Abo lohnten; das haben wir locker hinbekommen. Und wenn nicht, gab es am Wochenende einen Marathon. Wir haben uns jeden Film reingezogen, der überhaupt auf der Bildfläche erschien. Wir waren diejenigen, die nach dem Abspann bis zur Putzkolonne sitzen blieben und diskutierten. War die Musik passend integriert? War die Besetzung gut gewählt? Wie waren die Kameraführung, die Spezialeffekte, oder der Schnitt?

 

Wir brauchten IMDB. Wir wollten von Produzenten, über die Drehbuchautoren alles nützliche wissen. So wurde Damien Chazelle zum meinem Lieblingsproduzent. Tarantino’s Dialoge zu meinen Favoriten. Und wenn Ava DuVernay wieder was produziert, bin ich sofort Feuer und Flamme. Genauso geht es mir aber auch mit meinen liebsten Schauspielenden. Leonardo DiCaprio und Reese Witherspoon führen die Liste seit Jahren an. Aber diese Liste ist lang und ich möchte hier niemanden mit name dropping langweilen. 

Filme kombinieren so viele Künste in einem; ich bin immer wieder aufs Neue begeistert. Das Filmschauen gehört zu mir. 

 

Es kam soweit, dass ich LaLaLand als Test für potenzielle Partner nutzte. Sie mussten meinen Lieblingsfilm nicht feiern, nein, es ging jeweils um die Diskussion danach. Und wenn Mann dachte, es sei einfach ein Musical, dann war unsere Begegnung auch bloss eine Kurzszene, die für meinen Lebensplot unwichtig gewesen wäre. 

Alle Marvel-Filme in chronologischer Reihenfolge zu schauen, stand auf jeder meiner Bucketlists mit jedem meiner Exfreunde. Klar, keine Frage. Oft connecte ich über meine Leidenschaft zum Film. Bewegte Bilder inspirieren mich, füttern mich und mein Schreiben und finden sich in meiner Sprache wieder.

 

Vielleicht versuche ich damit aber auch zurückzuholen, was ich kurz vor meinen Dreissigern verlor. Meine Filmfreunde. Meine Jungs, die zu Männern wurden, an der Seite anderer Frauen, die hoffentlich mit ihnen ins Kino gehen. Und ich? 

Heute sitze ich allein im Kino. Bin fasziniert von drei Stunden Oppenheimer und kann beim Rauslaufen kaum erwarten, eine Stunde später noch Margot Robbie und Ryan Gosling zuzuschauen.