· 

Be The Change

- Wenn das Schreiben zum sozialen Akt wird -

 

Gebe ich bei Google „selbstbewusst“ und „Synonym“ ein, gibt es mir gleich eine Auswahl an ähnlichen Wörter; anmassend, arrogant, erfolgssicher und so einige mehr, die ich leider mit Verständnis akzeptiere, mich aber gleichzeitig entrüsten, da ich durchs Schreiben das Selbstbewusstsein neu erkundet habe. 

 

Seit fünf Jahren unterrichte ich kreatives Schreiben und seit letztem Jahr in expliziter Form; dem achtsamen Schreiben. Ich spüre dabei den Wunsch der Teilnehmenden einen Weg zu finden, sich selbst und auch ihre Umwelt besser zu verstehen und bisher haben einige bereits vor dem Kurs bemerkt, dass Schreiben ihnen in vielen Lebenslagen hilft - oder schliesslich nach dem Grundkurs. Wie die eine Teilnehmende, die nach monatelangen Schlafstörungen nach dem Schreiben wieder entspannt Schlaf findet, oder die Lehrerin, die begeistert von der plötzlichen Konzentrationsfähigkeit ihrer Schüler*innen war, nachdem sie mit mir geschrieben haben. Ich bin von der Kraft des Schreibens überzeugt, aber sollte ich auch, weil ich diesbezüglich neue Konzepte erschaffen habe. 

Aus einem anderen Kontext stiess ich letzthin auf ein Video, in dem Gerald Hüther erneut bestätigt, was mir so wichtig ist. Er benennt es nicht so, aber fordert uns auf unser Kreativbewusstsein zu stärken und so auch unseres Selbst bewusster zu werden. Im einen Moment spricht er davon, dass der Begriff „Selbstbewusstsein“ anders konnotiert ist, als was er doch eigentlich bedeutet. Sich selbst bewusst sein. Diese Aussage wird aber heutzutage eher dem Begriff „Achtsamkeit“ (engl. mindfulness) zugeschrieben. 

Der Unterschied sehe ich darin, dass sich das Selbstbewusstsein nur auf das Ich bezieht und die Achtsamkeit die Umwelt mit einbringt. Wer also achtsam handelt und denkt, ist automatisch sich selbst bewusst und umgekehrt fehlt wahrscheinlich bloss die Empathie. 

Die Kreativität in unserem Hirn fördert das alles. Stärken wir also unser Kreativbewusstsein wird das Selbstbewusstsein und die Empathie gefördert. Wir erhöhen dabei unsere Frustrationstoleranz und verlieren uns nicht in Unwichtigem, wie zum Beispiel der antrainierten Konsumgier. Wir trainieren hingegen unsere Wahrnehmungsfähigkeit und üben uns in Geduld und Akzeptanz. Offensichtlich, was das alles für Vorteile für die ganze Gesellschaft hätte. Wir wären alle individuell dazu fähig unser Potenzial zu entfalten und in Verbundenheit mit unserer Umwelt innere Freiheit zu erleben. 

Ein positiver Rattenschwanz, der von Macht-gelüstigen und vom-Konsum-profitierenden Menschen verhindert werden will und diejenigen, die sich solchen hingeben, haben bloss nicht verstanden, wie sie ihren eigenen Verstand nutzen können. Vielleicht, weil man es ihnen nie vorgelebt, ihnen die Chance auf Selbstentwicklung genommen hat. Oder es ist schlicht gemütlicher sich der Herdendummheit hinzugeben. 

 

Ich bin mir selbst bewusst und lebe immer bewusster in Verbundenheit mit meiner Umwelt. Ich liebe die Rasse Mensch, naturbezogen und weil wir zu bedingungsloser Liebe fähig sind und weil ich unsere Individualität spannend finde. 

Als Gesellschaft, in Verbundenheit miteinander haben wir aber - meiner Meinung nach - noch viel zu lernen. Dass wir in einer Abhängigkeit voneinander und unsere Umwelt leben, fällt uns anscheinend schwer zu akzeptieren, was aber schliesslich über unser Weiterbestehen, oder als Untergang der Menschheit auf diesem Planeten entscheiden wird. Technische Fortschritte, wirtschaftliche Errungenschaften helfen nicht, wenn keiner mehr da ist - schon mal überlegt? Und wenn mich die Menschen mit ihrem Rassismus, ihrer Intoleranz, ihrem unnatürlichen Verhalten der Umwelt gegenüber bittertraurig stimmen, wünsche ich mir für die Natur, die Erde und all ihre Lebewesen, dass wir bald wieder weg sind. Wie könnten wir das verhindern? Etwas verändern. Zuerst bei uns selbst, was schliesslich einen positiven Impact auf die ganze Gesellschaft haben könnte. 

 

( … ) Weil wir so grosse Angst davor haben, das zu verlieren, was wir für unsere Identität halten, bleiben wir lieber so wie wir sind: Gefangene in einem Käfig. Wie sehr wir uns darüber beklagen, mag davon abhängen wie luxuriös dieser Käfig ausgestattet ist. Aber selbst wenn er aus purem Gold wäre, Flügel würden uns auch darin nicht wachsen. Die braucht auch niemand, solange er in einem Käfig sitzt. ( … ) 

Unsere menschlichen Flügel heissen Entdeckungsfreude und Gestaltungslust, und der Raum, in dem sie sich entfalten, heisst Freiheit.

(geschrieben von G. Hüther, Liebe ist die einzige Revolution; G. Hüther & M. Hosang & A. Grün, Verlag Herder, 2017)

 

Die Angst davor, etwas zu verändern, an sich und dem Leben, das zur Komfortzone wurde, hält uns davon ab uns selbst und unserer Verbundenheit bewusst zu werden. Das könnte ja heissen etwas ändern zu müssen. Darum starten wir doch damit unser Kreativbewusstsein zu stärken - ich sage es noch einmal; denn es fördert unser Selbstbewusstsein und die Empathie, was wir für eine Grossveränderung bräuchten. Aber nein, wir sitzen lieber allein in einem Käfig.

 

Schreiben - Selbstbewusstsein - Verbundenheit - Freiheit; für mich eine natürliche Gedankenabfolge.