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If a writer falls in love with you

- Wenn sich eine Autorin verliebt. - 

 

If a writer falls in love with you, they see and feel these details; they become a part of them. They write them down, they remember them, they treasure them. (Kelly Bishop, 2015)

 

Dieser Text braucht eine Einleitung, weil er in einer Phase entstand, in der ich mich nicht mehr befinde. Das ist nicht schlimm, sogar normal. Wir kennen sie alle, die Phase des Verliebtseins, wenn die Sonne heller scheint, der Wind Lieder singt, wenn im dunkelsten Winter der Frühling erwacht. Wenn ich im Nachhinein Texte solcher Momente lese, bin ich so dankbar sie in Worte fassen zu können, sie ewig zu machen. Meistens dauert es eine Weile bis ich die Realität zwischen die Zeilen bringe. Meistens liegen Texte wie der folgende jahrelang als einsame Datei in meinem Ordner. Ich nutze sie als Inspiration, aber denke nie daran sie zu veröffentlichen, obwohl sie eines der schönsten Phänomene zwischen Menschen beschreiben. Das Verliebtsein. 

 

Ich liebe, wenn das passiert. Ich denke nicht nach, bin in meinen anderen Welten, da holst du mich zurück. Ein Gedanke, ein Moment, in dem ich dein Lächeln vor mir sehe, deine Hände an meinem Nacken spüre, deine Zunge über meine Lippen fährt. Und ich drifte in unsere Realität. Völlig andere Welt und die grösste Wahrheit, die ich je kennen lernen durfte. Du bringst mein Herz zum Schlagen, meine Körper zum Zittern, allein mit einem Gedanken an dich. Ich spüre dich, obwohl du Kilometer von mir entfernt bist. Ich höre dich, obwohl Musik durch meine Ohren dröhnt. Jedes Lied erzählt mir dabei von dir. 

Dass ich nicht schreiben konnte, bedeutete nichts negatives und auch nicht, dass ich es jetzt wieder kann. Es sind diese Momente, die es schwierig machen, weil ich mich lieber den Gedanken hingebe, sie mich so schnell von allem anderen ablenken. Ich möchte dich verewigen, hier in meinem Schreiben, weil du es wert bist. Ich möchte es mit dir teilen. Jedes Wort der Liebe ist an dich gerichtet, jede Träne, die dabei meine Wange hinunter läuft, schmeckt nach dir. Du bist zwischen meinen Zeilen.

Ich kann diese Wahrheit kaum glauben. Dass du da bist. Endlich bist du da. Wo warst du nur so lange? Und doch wissen wir beide, dass wir diese Zeit brauchten um hier und jetzt an diesem Ort zu sein, an der Seite des anderen zu stehen. In letzter Zeit habe ich oft gedacht, dass ich mir keinen Mann mehr an meiner Seite vorstellen konnte. Ich hatte kein Bild, da war keine Statur, keine Haarfarbe, kein Gesicht, kein Lächeln, keine Gestik, keine Bewegung. Du warst sie. Meine Vorstellung, die ich vergessen hatte. Das wurde mir bewusst, als ich dich sah. Genau du. Ich habe dich nicht kennen gelernt, ich habe dich erkannt. Nein, wir haben uns erkannt. All die die Träume und Wahrheiten kamen in dem Moment zurück, als du Teil meines Lebens wurdest. Und ich liebe es in diesen Bildern zu verschwinden, unser gemeinsames Leben zu spüren. 

Tränen drängen sich an die Oberfläche und ich weiss weshalb. All der Stress, diese Unruhe, die Trauer um die Liebe, die ich so lange gesucht hatte, befreit sich gerade. Sie sind einfach verpufft, als wären sie nie da gewesen. Aber das stimmt nicht. Ich musste lange auf dich warten, hatte so viele Dinge vorher zu erledigen, anscheinend, denn herbeigesehnt habe ich dich längst. Ich habe dir geschrieben, nach dir geschrien. So oft. So laut. Und ich bin überzeugt, dass du mich gehört hast, aber du wusstest nicht, woher die Rufe kamen, doch bist ihnen gefolgt, den Weg gegangen, den du gehen musstest, um irgendwann auf mich zu zukommen. Es ist als hättest du mein Herz die ganze Zeit bei dir gehabt, wusstest nicht, wohin es gehörte und ich hatte deines, aber wusste nicht, was ich damit tun sollte. Es schrie nach dir. Meines schrie nach mir. Ich habe es gehört, aber wusste nicht, woher die Rufe kamen, also bin ich meinen Weg gegangen, mit der Hoffnung irgendwann bei dir anzukommen. 

 

Ich habe mein Herz geöffnet. Es ist endlich bei mir. Ich bin endlich bei dir. Es überschwemmt mich gerade und ich gehe darin auf. Ich fliege. Es fühlt sich sanft und stark zugleich an. Du erfüllst mein Leben, du erfüllst mein Herz. Die Wunden schliessen sich, die Narben verblassen. Ich sehe es, fühle es und atme tief ein und aus. Wir haben einander die Hände ausgestreckt, vor langer Zeit, und endlich ineinander verkeilt, mit dem Wissen, dass es die Hand des anderen war, die einen von nun an für immer begleiten würde. Ich werde nie wieder einsam sein. 

Ich schreibe! Siehst du? Ich schreibe. Über dich und mich, über uns, unseren Anfang vom Leben. Vom Anfang unserer Liebe. Ich schwanke von Dankbarkeit, jauchze himmelhoch, mein Herz sprüht. Erholt sich von all dem Herzgekotze. Ich schwanke zwischen den Welten, kann sie endlich kombinieren, sie vereinen sich und leuchten. Es ist einer dieser offenbarten Momenten, die alles lösen, das sich verknotet hatte. Alles fliesst und ich spüre die Freiheit in unserer Liebe. Zusammen werden wir frei sein. Das weiss ich, das wusste ich, als ich dich zum ersten Mal traf. Damals unbewusst und heute ist mir alles klar. Wir stehen auf den Pfeilern des Vertrauens, der Ehrlichkeit und Loyalität, der Freiheit und Liebe, des Glücks und der Bewegung des Lebens. Wir bauen unseren Grundstein darauf.

Ich musste tief in meine anderen Welten tauchen, um diesen Damm zu brechen. Ich musste dem Schreiben vertrauen, dass es mir nicht nehmen würde, was ich endlich gefunden hatte. Meine Gedanken dürfen endlich sprudeln, sind endlich bei meinem Schreiben angekommen, ohne die Sorge, etwas davon zu zerstören. Mein Schreiben nimmt meine Realität an, lässt sich inspirieren, vertraut ihr und baut darauf, erlischt die Sorge, dass sie sich gegenseitig bekämpfen würden. Oh nein, sie sprudeln gemeinsam, fliessen gemeinsam, formulieren gemeinsam, träumen gemeinsam und kommen gemeinsam endlich an, um sich von nun an gemeinsam zu bewegen.